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Die Kostengliederung in der Praxis anwenden

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Das erfahren Sie in diesem Beitrag Warum eine Kostenermittlung mehrere Ordnungen gleichzeitig tragen muss, welche Ordnungsmerkmale die Norm neben den Kostengruppen vorsieht, was beim Wechsel der führenden Ordnung passiert und welche Rolle modellbasierte Verfahren dabei spielen.

Die Kostengruppen sind die Grundstruktur der Kostenplanung, aber sie sind nicht die einzige Ordnung, die ein Projekt braucht. Geplant wird nach Bauteilen, vergeben wird nach Gewerken, gebaut wird nach Abschnitten, und abgerechnet wird nach Verträgen.

Eine Kostenermittlung, die nur eine dieser Ordnungen kennt, funktioniert in genau einer Projektphase. In allen übrigen muss sie übersetzt werden, und jede Übersetzung kostet Genauigkeit.

Die Ordnungsmerkmale nebeneinander

Die Norm sieht ausdrücklich vor, dass Kosten nach weiteren Merkmalen geordnet werden können. Diese Merkmale treten neben die Kostengruppen und ersetzen sie nicht.

Ordnungsmerkmal Wofür sie gebraucht wird
Kostengruppen nach Bauteilen Vergleichbarkeit mit Kennwerten, Kostenkontrolle über die Stufen
Vergabeeinheiten und Gewerke Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung
Ausführungsarten Variantenvergleich, Materialentscheidungen
Bauabschnitte und Bauteile Steuerung bei abschnittsweiser Realisierung
Maßnahmenarten im Bestand Abbruch, Entsorgung, Instandsetzung, Neubau getrennt ausweisen

Die letzte Zeile ist im Bestand besonders nützlich. Da Teilabbruch und Instandsetzung nach der Norm derjenigen Kostengruppe zuzuordnen sind, an deren Bauteil sie stattfinden, verteilen sie sich über die gesamte Kostengruppe 300. Ein zusätzliches Ordnungsmerkmal macht sie wieder als Block sichtbar, ohne die Bauteilgliederung aufzugeben.

Was beim Wechsel der führenden Ordnung passiert

Ab dem Kostenvoranschlag ordnet die Norm zusätzlich nach Vergabeeinheiten, und der Kostenanschlag folgt dieser Ordnung. Der Wechsel ist sachlich zwingend, weil vergeben wird, was ein Unternehmen ausführt.

Er hat aber zwei Folgen, die beide gegen einen vollständigen Wechsel sprechen. Beide betreffen Aufgaben, die nach der Vergabe noch zu erfüllen sind.

Folge Woran es liegt
Die Kostenkontrolle bricht ab Gewerke und Bauteilgruppen sind nicht deckungsgleich; die Rechtsprechung hat festgestellt, dass Aufstellungen nach Gewerken und Fortschreibungen nach Kostengruppen keine Vergleichbarkeit über die bloße Summe hinaus ergeben
Die anrechenbaren Kosten sind schwerer abzuleiten die Anrechenbarkeit knüpft an Kostengruppen an; eine rein gewerkeorientierte Aufstellung erlaubt die Ermittlung nicht ohne Zuordnung

Die praktikable Antwort besteht darin, die Kostengruppengliederung als führende Struktur beizubehalten und die Vergabeeinheiten parallel zu führen. Die Systematik behandelt der Beitrag zur ausführungsorientierten Gliederung.

Warum die Norm den Wechsel dennoch zulässt

Die Norm erlaubt ausdrücklich, die Kostenermittlung ausführungsorientiert aufzustellen, also nach Gewerken oder Vergabeeinheiten statt nach Bauteilen. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Antwort auf bestimmte Projektsituationen.

Genannt wird insbesondere die Modernisierung. Bei Vorhaben im Bestand ist die Bauteilgliederung häufig weniger aussagekräftig als die Gewerkegliederung, weil nicht ganze Bauteile erstellt, sondern einzelne Maßnahmen an vorhandenen Bauteilen ausgeführt werden.

Zulässig ist die ausführungsorientierte Gliederung, solange die Ermittlung der anrechenbaren Kosten damit sachgerecht möglich bleibt. Diese Einschränkung ist die eigentliche Bedingung und gehört bei der Vereinbarung berücksichtigt.

Modellbasierte Verfahren

Wo mit einem Bauwerksinformationsmodell geplant wird, ändert sich nicht die Gliederung, wohl aber die Herkunft der Mengen. Bauteile aus dem Modell werden mit Kostengruppen verknüpft, Mengen werden übernommen und mit Kennwerten oder Positionspreisen bewertet.

Der Nutzen liegt weniger in der Geschwindigkeit als in der Nachvollziehbarkeit: Jede Menge bleibt auf ein Modellelement zurückführbar, und eine Planungsänderung wirkt unmittelbar auf die Kostenermittlung. Die Kostenermittlung wird damit zu einer Auswertung des Modells statt zu einer eigenständigen Aufstellung.

Die Grenzen liegen im Detaillierungsgrad des Modells, der zwischen den Planungsphasen und zwischen den Disziplinen erheblich schwankt. Die Systematik und ihre Voraussetzungen behandelt der Beitrag zur BIM-basierten Kostenermittlung.

Die Bezugseinheiten als stille Voraussetzung

Zu jeder Kostengruppe gehört eine Bezugseinheit, in der die Menge ermittelt wird. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine Position überhaupt vergleichbar ist, und sie wird in der Praxis am häufigsten weggelassen.

Der Unterschied zeigt sich beim Vergleich zweier Vorhaben, und er entscheidet darüber, ob der Vergleich überhaupt etwas erklärt. Ohne die Bezugseinheit bleibt jeder Vergleich eine Rangliste ohne Erklärung.

Angabe Was sie erlaubt
Betrag je Kostengruppe die Feststellung, dass eines teurer ist
Betrag je Bezugseinheit, etwa je m² Außenwand, je m² Dachfläche, je m³ Aushub die Feststellung, warum

Für die Kostenermittlung folgt daraus eine Empfehlung, die wenig Aufwand kostet und viel leistet: Neben dem Betrag je Kostengruppe wird die zugehörige Menge mitgeführt. Erst dann ist bei einer späteren Abweichung erkennbar, ob die Menge oder der Einheitspreis die Ursache war, und genau diese Unterscheidung braucht die Kostenkontrolle.

Was in der Praxis den Unterschied macht

Aus den vorstehenden Punkten lassen sich vier Anforderungen ableiten, die unabhängig von Projektgröße und Werkzeug gelten. Keine von ihnen setzt eine bestimmte Software voraus.

# Anforderung Warum
1 Eine führende Ordnung festlegen über alle Stufen beibehalten, in der Regel die Kostengruppengliederung
2 Zusätzliche Ordnungsmerkmale parallel führen wer wechselt statt zu ergänzen, verliert die Vergleichbarkeit
3 Mengen und Einheitspreise getrennt ausweisen damit Abweichungen zuordenbar bleiben
4 Die Zuordnungsregeln dokumentieren eine Festlegung nur im Kopf des Bearbeiters überlebt weder Personalwechsel noch Prüfung

Was die Norm nicht abdeckt

Die DIN 276 erfasst die Kosten der Baumaßnahme, also die Investition, während die Kosten nach der Inbetriebnahme Gegenstand einer eigenen Norm sind. Die Grenze verläuft damit an der Übergabe und nicht an der Kostenart.

Diese Trennung ist sauber, erzeugt aber eine Lücke in der Entscheidungsgrundlage, weil viele Planungsentscheidungen Kosten zwischen Investition und Betrieb verschieben. Wie sich die einschlägigen Normen zueinander verhalten, behandelt der Beitrag zur Abgrenzung von DIN 276 DIN 277 und DIN 18960.

Dieser Beitrag gibt den Stand der Regelungen zum Zeitpunkt der Prüfung wieder und dient der fachlichen Orientierung. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine Prüfung des Einzelfalls.

Häufige Fragen

Indem die Ordnungsmerkmale nebeneinander geführt werden, statt eines gegen das andere zu tauschen. Der Beitrag zeigt den Aufbau.

Die Vergleichbarkeit zwischen den Ermittlungen bricht. Eine Überleitung ist dann zwingend.

Weil die Vergabe eine ausführungsorientierte Gliederung verlangt. Beide Ordnungen haben ihren Zweck.

Sie erleichtern die Zuordnung, ersetzen aber die Entscheidung über die Ordnung nicht. Die Bezugseinheiten bleiben zu prüfen.

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Kostenplanung nach DIN 276: Kostengruppen und Kostenermittlung