Blog

Baukosten pro m² in Deutschland: Kennwerte nach Gebäudetyp

📐 Vollständiger Leitfaden17 min Lesezeit

Das erfahren Sie in diesem Beitrag Warum die veröffentlichten Baukosten für dasselbe Gebäude um mehr als das Doppelte auseinanderlaufen, welche vier Angaben eine Zahl überhaupt erst verwendbar machen, welche Größenordnungen für Wohnungsbau, Nichtwohngebäude, Hallenbau und Sanierung dokumentiert sind, und warum jedes dieser vier Segmente mit anderen Konventionen rechnet.

Baukosten pro m²

Wer nach Baukosten pro Quadratmeter sucht, findet für ein Einfamilienhaus Werte zwischen 1.900 und über 5.000 Euro. Für eine Kernsanierung reichen die Angaben von 600 bis 2.500 Euro, für eine Gewerbehalle von 250 bis 1.500 Euro.

Diese Spannen sind kein Zeichen eines unübersichtlichen Marktes. Sie entstehen ganz überwiegend daraus, dass die veröffentlichten Zahlen sich auf unterschiedliche Flächen beziehen, unterschiedliche Kostenanteile enthalten, aus unterschiedlichen Jahren stammen und teils mit, teils ohne Umsatzsteuer angegeben werden. Rechnet man diese vier Unterschiede heraus, schrumpfen die Spannen erheblich.

Dieser Beitrag ordnet die verfügbaren Kennwerte nach Gebäudetyp und zeigt zuvor, wie eine gefundene Zahl in eine planbare Größe überführt wird. Er ersetzt keine Kostenberechnung, macht aber fremde Zahlen prüfbar.

Die vier Angaben, ohne die keine Zahl verwendbar ist

Ein Kostenkennwert ist keine Zahl, sondern eine Zahl mit vier Angaben. Fehlt eine davon, ist der Wert für eine Kostenermittlung unbrauchbar, unabhängig davon, wie seriös die Quelle wirkt.

Angabe Frage Typische Fehlerquelle
Bezugsgröße Auf welche Fläche bezieht sich der Wert Wohnfläche statt Brutto-Grundfläche
Kostenumfang Welche Kostengruppen sind enthalten Bauwerkskosten werden als Gesamtkosten gelesen
Preisstand Aus welchem Quartal stammt der Wert Kennwert ohne Fortschreibung auf den Stichtag
Steuerangabe Netto oder brutto Annahme statt Prüfung

Diese vier Prüfungen dauern zusammen weniger als eine Minute. Sie entscheiden darüber, ob eine Kostenschätzung belastbar ist. Das Vorgehen im Einzelnen behandelt der Beitrag Baukostenkennwerte richtig lesen und fortschreiben.

Die Bezugsgröße

In der deutschen Kostenplanung ist die Brutto-Grundfläche nach DIN 277 die übliche Bezugsgröße. Sie umfasst sämtliche Grundflächen aller Grundrissebenen einschließlich der Konstruktion, gemessen an den Außenmaßen. Wände, Treppenhäuser und Technikräume liegen also innerhalb.

Die Wohnfläche nach Wohnflächenverordnung folgt einer völlig anderen Logik und liegt deutlich niedriger: Sie wird im Lichten gemessen, und Kellerräume, unausgebaute Dachbereiche, Heizungsräume und Garagen bleiben außen vor. Sie ist deshalb nicht mit der Brutto-Grundfläche vergleichbar.

Der Unterschied ist erheblich und gebäudeabhängig. Er lässt sich nicht mit einem festen Faktor überbrücken.

Gebäudetyp Wohnflächenanteil an der BGF Faktor BGF je m² Wohnfläche
Mehrfamilienhaus rund 53 bis 56 Prozent etwa 1,80 bis 1,90
Wohnungseigentum im Mehrfamilienhaus rund 65 Prozent 1,55 nach steuerlicher Bewertungsvorschrift
Einfamilienhaus ohne Keller rund 70 Prozent etwa 1,40

Verbraucherportale und Hausanbieter rechnen fast durchgängig in Wohnfläche, Fachdatensammlungen in Brutto-Grundfläche. Wer beide Quellen nebeneinanderlegt, liest bei einem Mehrfamilienhaus einen Unterschied von rund 80 Prozent ab, der ausschließlich aus der Bezugsgröße stammt. Die Systematik der Flächenarten behandelt der Beitrag zu den Bezugsgrößen BGF NRF und Wohnfläche.

Der Kostenumfang

Die DIN 276 gliedert die Kosten eines Bauprojekts in acht Kostengruppen. Die Kostengruppen 300 und 400 bilden zusammen die Bauwerkskosten. Die weit überwiegende Zahl der veröffentlichten Fachkennwerte bezieht sich genau auf diesen Ausschnitt.

Kostengruppe Bezeichnung Im üblichen Kennwert enthalten
KG 100 Grundstück nein
KG 200 Vorbereitende Maßnahmen nein
KG 300 Bauwerk Baukonstruktionen ja
KG 400 Bauwerk Technische Anlagen ja
KG 500 Außenanlagen und Freiflächen nein
KG 600 Ausstattung und Kunstwerke nein
KG 700 Baunebenkosten nein
KG 800 Finanzierung nein

Der Abstand zwischen Bauwerkskosten und Gesamtkosten ist erheblich. Im öffentlichen Hochbau werden die Kostengruppen 200, 500, 600 und 700 zusammen mit einem Zuschlag in der Größenordnung eines Drittels auf die Bauwerkskosten angesetzt. Ein Bauwerkskennwert von 2.400 Euro je Quadratmeter entspricht damit Gesamtbaukosten ohne Grundstück, die deutlich oberhalb von 3.000 Euro je Quadratmeter liegen. Details im Beitrag Was ein Baukostenkennwert enthält.

Preisstand und Steuerangabe

Kennwerte stammen aus abgerechneten Projekten und bilden ein zurückliegendes Preisniveau ab. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht vierteljährlich den Baupreisindex, mit dem sich ein datierter Wert auf den Stichtag umrechnen lässt. Der Rechenweg steht im Beitrag zur Fortschreibung mit dem Baupreisindex.

Bei der Steuerangabe gilt eine Regel, die häufig falsch angewendet wird: Sie ist bei jeder Quelle einzeln zu klären und nie aus deren Charakter zu erschließen. Die verbreitete Annahme, Fachquellen seien netto und Verbraucherquellen brutto, trifft nicht zu. Die großen statistischen Datensammlungen weisen ihre Kostenkennwerte einschließlich Mehrwertsteuer aus, ebenso der Baupreisindex, während Positionspreise und gewerbliche Angebote netto kalkuliert werden.

Ein Rechenbeispiel

Der folgende Weg überführt einen im Netz gefundenen Wert in eine mit Fachkennwerten vergleichbare Größe. Ausgangspunkt: ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche, ohne Keller, angeboten zu 3.400 Euro je Quadratmeter Wohnfläche brutto.

Schritt Rechnung Ergebnis
Angebotssumme 150 × 3.400 510.000 € brutto
Umsatzsteuer herausrechnen ÷ 1,19 428.571 € netto
Brutto-Grundfläche ermitteln 150 × 1,40 210 m² BGF
Kennwert je m² BGF 428.571 ÷ 210 2.041 €/m² BGF netto

Aus 3.400 werden 2.041 Euro. Zwischen beiden Zahlen liegen keine Kosteneinsparung und keine andere Ausstattung, sondern zwei Rechenschritte. Wer diesen Weg nicht geht und den Ausgangswert direkt neben einen Fachkennwert stellt, liest einen Unterschied von zwei Dritteln ab, den es nicht gibt.

Baukosten im Wohnungsbau

Der Wohnungsbau ist das am besten dokumentierte und am schlechtesten vergleichbare Segment. Eine Auswahl der 2026 kursierenden Werte für ein Einfamilienhaus: Beides hat dieselbe Ursache, nämlich die uneinheitliche Bezugsfläche.

Angegebene Spanne Bezugsfläche Angegebener Umfang
1.900 bis 3.000 €/m² Wohnfläche schlüsselfertig ohne Grundstück
2.200 bis 3.200 €/m² Wohnfläche je nach Bauweise und Ausstattung
3.000 bis 4.000 €/m² Wohnfläche ab Oberkante Bodenplatte, Effizienzhaus-Standard
2.200 bis 4.500 €/m² Wohnfläche Bauwerkskosten ohne Nebenkosten

Besondere Vorsicht verdient die Formulierung „ab Oberkante Bodenplatte“: Sie schließt Baugrube, Gründung und Keller aus, die zur Kostengruppe 300 gehören. Ebenso der Begriff schlüsselfertig, der rechtlich nicht definiert ist und keinen festen Leistungsumfang beschreibt.

Fünf Faktoren treiben die Kosten: Ausstattungsstandard, Unterkellerung, Kompaktheit des Baukörpers, Energiestandard und Bauweise. Der wirksamste davon ist die Kompaktheit, also das Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen, weil Außenwände, Dach und Fenster zu den teuersten Bauteilen gehören und die Entscheidung darüber später nicht mehr korrigierbar ist.

Vertiefungen: Baukosten im Wohnungsbau mit den Beiträgen zum Einfamilienhaus und zum Mehrfamilienhaus. Sie behandeln die Segmente je Gebäudetyp.

Der Kellereffekt

Ein Beispiel zeigt, warum die Bezugsgröße nicht verhandelbar ist. Der Keller wirkt rechnerisch in zwei Richtungen zugleich.

  • Je Quadratmeter Wohnfläche verteuert er das Haus, weil er die Bausumme erhöht, ohne zur Wohnfläche beizutragen.
  • Je Quadratmeter Brutto-Grundfläche verbilligt er es rechnerisch, weil er die Brutto-Grundfläche stark erhöht und Kellergeschosse je Quadratmeter günstiger sind als Wohngeschosse.

Beide Aussagen sind zutreffend und beschreiben dasselbe Gebäude. Sie unterscheiden sich allein in der Bezugsgröße.

Rohbau und Ausbau

Innerhalb der Bauwerkskosten hat sich das Verhältnis verschoben. Der Anteil der Ausbaugewerke einschließlich Haustechnik an den Kostengruppen 300 und 400 stieg von 46 Prozent im Jahr 2000 auf 54 Prozent im Jahr 2014, mit weiter fortgesetztem Trend. Die Rohbaukosten sind dabei nicht gesunken, sie sind lediglich langsamer gestiegen.

Wichtig für den Vergleich von Zahlen: Rohbau und Ausbau sind Leistungsbereiche und keine Kostengruppen. Die beiden Systematiken decken sich nur näherungsweise, weshalb kursierende Rohbauanteile von 30 bis 55 Prozent alle zutreffen können, wenn sie auf verschiedene Bezugsbasen bezogen sind. Details im Beitrag zu den Kostenanteilen von Rohbau und Ausbau.

Baukosten von Nichtwohngebäuden

Der Nichtwohnbau ist in der öffentlichen Diskussion kaum präsent, aber deutlich besser dokumentiert. Drei Besonderheiten prägen ihn. Der Grund ist, dass hier überwiegend professionelle Bauherren auftreten.

Die Nutzungsart dominiert alles andere. Zwischen einem einfachen Lagergebäude und einem Laborbau liegen Größenordnungen. Die Zuordnung zur richtigen Gebäudeart ist wichtiger als jede regionale oder zeitliche Anpassung.

Der Anteil der technischen Anlagen ist höher. Er kann bei technisch anspruchsvollen Gebäudearten ein Drittel der Bauwerkskosten und mehr erreichen. Im Bildungsbau werden rund 31 Prozent genannt, in Einzelfällen bis 40 Prozent.

Die Bezugsgröße ist weniger einheitlich. Neben der Brutto-Grundfläche sind Kosten je Hotelzimmer, je Schülerplatz oder je Betreuungsplatz gebräuchlich und häufig aussagekräftiger.

Der Bildungsbau liefert dabei das deutlichste Beispiel des gesamten Themas: Die Kostenrichtwerte der Bundesländer für den Schulbau sind öffentlich und präzise, aber jedes Land bezieht sie auf eine andere Fläche, mal auf die Hauptnutzfläche, mal auf die zuweisungsfähige Nutzfläche, mal auf die Programmfläche. Drei Zahlen mit derselben Einheit, die untereinander nicht vergleichbar sind.

Vertiefungen: Baukosten von Nichtwohngebäuden mit den Beiträgen zu Bürogebäuden, zum Hotel sowie zu Schule und Kita. Sie behandeln Büro, Schule, Kita und Hotel im Einzelnen.

Baukosten im Gewerbe- und Industriebau

Der Hallenbau hat die beste frei verfügbare Datenlage, weil der Markt gewerblich ist und Anbieter ihren Leistungsumfang offenlegen müssen, um vergleichbar zu bleiben. Die Werte sind deshalb untereinander vergleichbarer als im Wohnungsbau.

Hallentyp Größenordnung je m² Hallenfläche, netto
Einfache Lagerhalle rund 250 bis 600 €
Standard-Gewerbehalle mit Büroanteil rund 600 bis 900 €
Logistikhalle mit Hochregallager und Sprinkleranlage rund 700 bis 1.200 €
Produktionshalle mit Kranbahn rund 800 bis 1.500 €
Kühlhalle und Spezialhallen ab rund 1.200 €

Zwei Konventionen weichen hier vom übrigen Hochbau ab: Gerechnet wird je Quadratmeter Hallenfläche und nicht je Quadratmeter Brutto-Grundfläche, und die Angaben sind überwiegend netto. Wer beides übersieht, vergleicht zwei verschiedene Größen.

Die Größendegression ist ausgeprägt: Hallen über 5.000 Quadratmeter liegen je Quadratmeter unter Hallen von 1.000 bis 5.000 Quadratmetern. Eine kleine Halle mit anspruchsvoller Ausstattung kann je Quadratmeter teurer sein als eine große, einfache Lagerhalle.

Bemerkenswert ist zudem, dass der Standorteffekt hier ausnahmsweise konstruktiv beziffert werden kann: Eine Halle in einer hohen Schneelastzone in Höhenlage benötigt einen um 35 bis 50 Prozent größeren Stahlquerschnitt, was Konstruktionsmehrkosten in der Größenordnung von 15 bis 25 Euro je Quadratmeter bedeutet. In allen anderen Segmenten bleibt er eine wirtschaftliche Größe.

Vertiefungen: Baukosten im Gewerbe- und Industriebau mit den Beiträgen zur Logistikhalle, zur Produktionshalle und zum Kostenvergleich der Bauweisen. Sie behandeln Logistik-, Produktions- und Hallenbau getrennt.

Sanierungskosten

Die Sanierung ist das Segment mit der größten Streuung. Die 2026 veröffentlichten Werte für eine Kernsanierung reichen von 600 bis 2.500 Euro je Quadratmeter, und ein und derselbe Anbieter führt auf zwei Seiten zwei verschiedene Spannen.

Die Ursache ist sprachlich: Der Begriff Kernsanierung ist nicht einheitlich definiert. In der einen Quelle beschreibt er den Austausch von Dach, Fenstern, Heizung, Dämmung und Elektrik bei erhaltenem Innenausbau, in der anderen den Rückbau bis auf den Rohbau. Zwischen beiden Auslegungen liegt der gesamte Innenausbau.

Sinnvoll ist deshalb eine Ordnung nach Eingriffstiefe. Die Übergänge zwischen den Stufen sind fließend.

Stufe Größenordnung je m² Wohnfläche
Einzelmaßnahme rund 50 bis 300 €
Teilsanierung rund 600 bis 1.200 €
Kernsanierung rund 800 bis 2.500 €

Im Bestand gilt eine zusätzliche Regel: Es wird nie mit einem Begriff gerechnet, sondern immer mit einer Gewerkeliste. Und die Bezugsfläche ist nicht identisch mit der Eingriffsfläche, weshalb bauteilbezogene Maßnahmen je Bauteilfläche zu rechnen sind, also je Quadratmeter Dach, Fassade oder Fenster.

Vertiefungen: Sanierungskosten pro m² nach Eingriffstiefe mit den Beiträgen zur Kernsanierung, zur energetischen Sanierung und zu Umbau und Umnutzung. Sie behandeln Kernsanierung, energetische Sanierung und Umnutzung getrennt.

Die vier Segmente rechnen nicht gleich

Dies ist die zentrale Erkenntnis dieses Themas und der Grund, warum segmentübergreifende Vergleiche so häufig scheitern. Jedes Segment hat eigene Konventionen entwickelt, und keine davon ist falsch.

Segment Übliche Bezugsfläche Übliche Steuerangabe Üblicher Kostenumfang
Wohnungsbau, Verbraucherquellen Wohnfläche brutto Bauwerk ohne Nebenkosten, Umfang uneinheitlich
Statistische Datensammlungen Brutto-Grundfläche brutto KG 300+400
Nichtwohnbau, öffentlich je nach Land Hauptnutzfläche oder Programmfläche gemischt je nach Landesregelung
Hallenbau Hallenfläche netto schlüsselfertig ab Bodenplatte
Sanierung Wohnfläche, teils Bauteilfläche brutto Bauleistung ohne Nebenkosten

Diese Tabelle erklärt praktisch jede Zahlendifferenz, die einem beim Vergleich von Quellen begegnet. Ein Wert aus dem Hallenbau und ein Wert aus dem Wohnungsbau haben nichts gemeinsam außer der Einheit Euro je Quadratmeter.

Regionale Einordnung

Veröffentlichte Kennwerte sind bundesweite Mittelwerte, die an keinem einzelnen Standort gelten. Die Auswertungen der Baustatistik zeigen ein Süd-Nord-Gefälle mit einer Spanne von rund 1.000 Euro je Quadratmeter zwischen dem teuersten und dem günstigsten Bundesland.

Zwei Punkte sind dabei wichtig. Erstens ist die Streuung innerhalb eines Bundeslandes häufig größer als zwischen zwei Ländern, weshalb die Regionalisierung auf Ebene des Landkreises und nicht des Landes erfolgen sollte. Zweitens gibt es entgegen der Erwartung kein durchgängiges Stadt-Land-Gefälle bei den reinen Baukosten: In Ballungsräumen konkurrieren mehr Unternehmen um dieselbe Ausschreibung, was die höheren Löhne teilweise ausgleicht.

Details im Beitrag zu den regionalen Baukostenunterschieden. Dort steht auch, warum die Streuung innerhalb eines Landes größer ist als zwischen den Ländern.

Baunebenkosten

Für die Kostengruppe 700 kursiert die Angabe von 15 bis 20 Prozent. Was in den seltensten Fällen dabeisteht: 15 bis 20 Prozent wovon. In Umlauf sind mindestens drei Bezugsbasen, und bei identischem Prozentsatz unterscheiden sich die Ergebnisse um sechsstellige Beträge.

Zu beachten ist außerdem, dass die Finanzierungskosten mit der Fassung der DIN 276 von Dezember 2018 aus der Kostengruppe 700 herausgelöst und in einer eigenen Kostengruppe 800 geführt werden. Wer nach älteren Faustregeln kalkuliert, lässt sie unbemerkt aus.

Details im Beitrag zu den Baunebenkosten nach KG 700. Dort steht auch, welche drei Bezugsbasen im Umlauf sind.

Von der Größenordnung zur Kostenermittlung

Ein Kennwert liefert eine Größenordnung. Eine Kostenermittlung liefert eine Aussage, für die jemand einsteht. Zwischen beiden liegt ein gestufter Prozess, der in Deutschland normativ beschrieben ist und dessen Stufen sich in Genauigkeit und Datengrundlage unterscheiden.

Stufe Grundlage Typische Genauigkeit
Kostenrahmen Bedarfsplanung, Flächenprogramm grobe Größenordnung, Kennwerte je Flächeneinheit
Kostenschätzung Vorplanung Kostengruppen in der ersten Ebene
Kostenberechnung Entwurfsplanung Kostengruppen in der dritten Ebene, Mengen aus der Planung
Kostenanschlag Ausführungsvorbereitung, Angebote Angebotspreise je Position
Kostenfeststellung nach Abschluss abgerechnete Kosten

Kennwerte je Quadratmeter gehören in die ersten beiden Stufen. Ab der Kostenberechnung wird aus Mengen und Einheitspreisen gerechnet, und der Kennwert wechselt seine Rolle: Er ersetzt die Ermittlung nicht mehr, sondern kontrolliert sie.

Diese Kontrollfunktion ist der eigentliche Wert eines Kennwerts für den Fachplaner. Weicht das Ergebnis einer detaillierten Berechnung deutlich vom Kennwert einer vergleichbaren Gebäudeart ab, ist das kein Fehler, sondern ein Hinweis. Er kann auf eine Besonderheit des Projekts zurückgehen, auf eine Lücke in der Mengenermittlung oder auf eine falsche Zuordnung der Gebäudeart. In allen drei Fällen ist die Abweichung zu erklären und nicht zu glätten.

Die Systematik der Kostenermittlung nach DIN 276, die Gliederung der Kostengruppen bis zur dritten Ebene und die Zuordnung zu den Leistungsphasen behandelt der Themenbereich Kostenplanung nach DIN 276. Dort steht auch, welche Kosten in die Honorarermittlung eingehen.

Die acht häufigsten Fehler

Aus den Beiträgen dieses Themas lassen sich acht Fehler zusammenfassen, die in Kostenaussagen immer wieder auftreten. Sie sind sämtlich vermeidbar und kosten in der Summe mehr als jede Fehleinschätzung des Marktes.

Wohnfläche und Brutto-Grundfläche vermischen. Der häufigste Fehler überhaupt. Er erzeugt bei einem Einfamilienhaus einen Scheinunterschied von rund 40 Prozent, bei einem Mehrfamilienhaus von rund 80 Prozent.

Bauwerkskosten für die Bausumme halten. Der Kennwert, der im Netz gesucht und gefunden wird, deckt die Kostengruppen 300 und 400 ab. Grundstück, Erschließung, Außenanlagen, Ausstattung, Baunebenkosten und Finanzierung sind nicht enthalten.

Prozentangaben ohne Bezugsbasis übernehmen. Bei den Baunebenkosten sind mindestens drei Bezugsbasen in Umlauf. Ohne Angabe der Basis ist die Prozentzahl wertlos.

Netto und brutto aus dem Quellentyp erschließen. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen Fachwelt und Verbraucheröffentlichkeit. Statistische Datensammlungen weisen brutto aus, gewerbliche Angebote netto.

Einen alten Kennwert nur fortschreiben. Der Index korrigiert das Preisniveau, nicht den Leistungsumfang. Ein Kennwert von vor zehn Jahren enthält den damaligen Anlagenstandard, nicht den heutigen.

Den Bundesdurchschnitt als Standortwert verwenden. Veröffentlichte Kennwerte sind bundesweite Mittelwerte. Die Spanne zwischen den Bundesländern beträgt rund 1.000 Euro je Quadratmeter, und innerhalb eines Landes ist sie häufig größer.

Segmente vergleichen, die nicht vergleichbar sind. Ein Hallenkennwert je Quadratmeter Hallenfläche netto und ein Wohnungsbauwert je Quadratmeter Wohnfläche brutto haben nichts gemeinsam außer der Einheit.

Im Bestand mit einem Begriff statt mit einer Gewerkeliste rechnen. Kernsanierung ist nicht definiert. Die veröffentlichten Werte reichen deshalb von 600 bis 2.500 Euro je Quadratmeter, ohne dass eine davon falsch wäre.

Vorgehen für eine belastbare Kostenaussage

  1. Bezugsgröße festlegen und in der Kostenermittlung ausdrücklich benennen, im Regelfall die vollständige Brutto-Grundfläche nach DIN 277.
  2. Kostenumfang festlegen, also welche Kostengruppen die Aussage abdeckt, und die übrigen als eigene Zeilen führen.
  3. Kennwert auswählen, der zur Gebäudeart, zur Größenklasse und zum Ausstattungsstandard passt, und die Zuordnung dokumentieren.
  4. Regionalisieren über einen Faktor auf Kreisebene, als eigene Zeile mit Quelle.
  5. Auf den Stichtag fortschreiben mit dem veröffentlichten Index, unter Angabe beider Indexwerte.
  6. Den Anlagenumfang prüfen, wenn der Kostenstand mehr als etwa fünf Jahre zurückliegt, denn die Fortschreibung korrigiert das Preisniveau und nicht die Leistung.
  7. Baunebenkosten gesondert ansetzen, mit ausdrücklich benannter Bezugsbasis.
  8. Umsatzsteuer als eigene Zeile ausweisen und nicht in die Kennwerte einrechnen.

Ein Kennwert ersetzt keine Kostenermittlung am eigenen Projekt. Er dient dazu, ein Ergebnis auf Plausibilität zu prüfen, eine frühe Größenordnung abzustecken und Varianten gegeneinanderzustellen. In dieser Rolle ist er wertvoll, sofern seine Rahmenangaben bekannt und dokumentiert sind.

Die genannten Größenordnungen sind Orientierungswerte für Deutschland. Sie ersetzen keine projektbezogene Kostenermittlung und schwanken erheblich nach Region, Gebäudetyp, Ausstattungsstandard und Marktlage.

Häufige Fragen

Die Frage lässt sich ohne vier Zusatzangaben nicht beantworten: Welche Fläche, welche Kostengruppen, welcher Preisstand, netto oder brutto. Für ein Einfamilienhaus liegen die dokumentierten Werte zwischen etwa 1.900 und über 5.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, was nach Umrechnung auf die Brutto-Grundfläche und auf Nettobeträge deutlich zusammenschrumpft.

Zu etwa gleichen Teilen durch unterschiedliche Bezugsflächen, unterschiedliche Kostenumfänge, unterschiedliche Preisstände und unterschiedliche Steuerangaben. Der reale Marktunterschied ist kleiner als die scheinbare Spanne.

Die vollständige Brutto-Grundfläche nach DIN 277, ausdrücklich benannt. Die Wohnfläche bleibt für Vermarktung, Vermietung und Förderanträge maßgeblich, taugt aber nicht als Grundlage eines Kostenvergleichs zwischen Projekten.

Er sollte auf den Stichtag fortgeschrieben werden, unabhängig vom Alter. Liegt der Kostenstand mehr als etwa fünf Jahre zurück, ist zusätzlich der Anlagenumfang zu prüfen, insbesondere der Anteil der Kostengruppe 400.

In der Regel ja, aber die verbreitete Faustregel vergleicht zwei Zahlen mit unterschiedlichem Kostenumfang. Ein tragfähiger Vergleich verlangt dieselbe Bezugsfläche, denselben Kostenumfang einschließlich Abriss und Gründung auf der Neubauseite, sowie die Berücksichtigung von Bauzeit und Ausweichunterkunft.

Alle Artikel dieses Leitfadens